AKTUELLES zum THEMA EHEC-Infektion
Stand Mittwoch 03.08.2011, 11:00h (Aktualisierung bei Bedarf)
Quellen: Robert Koch Institut / Landesgesundheitsministerien / dpa
Robert-Koch-Institut
Ehec-Epidemie offiziell beendet
Der heftigste bisher verzeichnete Ausbruch der Darmseuche Ehec hat in Deutschland 50 Opfer gefordert, etwa 3000 Menschen waren insgesamt erkrankt. Nach drei Monaten ist die Epidemie nun jedoch offiziell vorbei.
BerlinDas Robert Koch-Institut (RKI) hat den Ausbruch der gefährlichen EHEC-Darmbakterien in Deutschland für beendet erklärt. Der letzte Beginn einer Erkrankung in Verbindung mit den Keimen sei vor drei Wochen gemeldet worden, teilte das Institut am Dienstag in Berlin mit. Dieser Zeitraum berücksichtige die Inkubationszeit, die Zeit für eine Diagnose sowie für die Übermittlung des Falls. „Damit ist der größte EHEC-Ausbruch in Deutschland beendet“, erklärte RKI-Präsident Reinhard Burger.
Seit den ersten bekannten Fällen dieses Ausbruchs Mitte Mai 2011 in Hamburg wurden dem Institut 4321 Fälle gemeldet. Davon erwiesen sich 3469 tatsächlich als EHEC-Fälle. Nicht alle Betroffenen erkrankten durch den Erreger, andere kamen mit starkem Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit ins Krankenhaus. Bei 852 Patienten führte die Infektion zu der schweren Komplikation HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom), bei dem ein Nierenversagen droht. 50 Patienten starben in Folge ihrer EHEC- oder HUS-Erkrankung. Außerhalb Deutschlands wurde EHEC bei 76 Menschen nachgewiesen.
Das Institut will den EHEC-Erreger O104:H4 und etwaige Erkrankungen weiterhin intensiv überwachen. Die Forscher rechnen damit, dass es wegen der erhöhten Aufmerksamkeit für EHEC und HUS künftig mehr Meldungen über entsprechende Infektionen geben wird als zuvor. Einzelfälle der Krankheit seien auch nach Ausbruchsende möglich.
Weitere Informationen
Die Logik der billigen Lebensmittel"EHEC wurde förmlich gezüchtet"
Fragen und Antworten
Infektionen vermeiden: auf Hygiene achten
1. Schutz vor lebensmittelbedingten EHEC- Infektionen
Aktuell empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung über die üblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gemüse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren. Wie die meisten Erreger von Lebensmittelinfektionen lassen sich auch EHEC- Bakterien durch Erhitzen abtöten, also durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren (bei 70°C für 10 Minuten).
Tiefgefrieren garantiert hingegen nicht, dass ein Lebensmittel vollständig frei von EHEC wird. Zur Vermeidung lebensmittelbedingter Infektionen sind folgende Hygienemaßnahmen bei der Zubereitung von Speisen empfohlen. Roh verzehrtes Gemüse und Obst gründlich waschen oder schälen. Fleisch und Hackfleisch von Wiederkäuern vor dem Verzehr ausreichend erhitzen (mindestens 70° C für mehrere Minuten). Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch verschiedene Bretter, Teller, Messer und Zangen benutzen.
Auf Rohmilch verzichten oder zumindest vor dem Verzehr abkochen. Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit Lebensmitteln gründlich reinigen und abtrocknen.
Wisch- und Handtücher nach der Zubereitung von Obst oder Gemüse und rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60° C waschen.
EHEC- Bakterien können infolge der fehlenden Wärmebehandlung auch vorkommen in:
- streichfähigen Rohwürsten, zum Beispiel Zwiebelmettwurst, Teewurst, Braunschweiger;
- Rohmilchkäse (verpackter Käse aus Rohmilch muss mit dem Wortlaut "mit Rohmilch hergestellt" gekennzeichnet sein);
- unpasteurisiertem Apfelsaft.
Diese Lebensmittel sollten Sie vorsichtshalber meiden.
Außerdem: Speisen und Getränke nur außerhalb von Tierställen und Gehegen verzehren. Personen mit Durchfallerkrankungen sollten am besten keine Speisen zubereiten. Das Risiko für lebensmittelbedingte Infektionen mit EHEC lässt sich mit diesen einfachen Mitteln senken. Eine vorbeugende Impfung gegen EHEC gibt es nicht.
2. Schutz vor Schmierinfektionen mit EHEC- Bakterien
Der Erreger kann auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, vor allem durch eine sogenannte Schmierinfektion (fäkal-oral) aufgrund mangelnder Hygiene. Der beste Schutz gegen diese Übertragung ist gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife und sorgfältiges Abtrocknen sowie für Fachpersonal die hygienische Händedesinfektion:
- vor der Zubereitung von Speisen,
- vor dem Essen,
- nach dem Toilettengang
- nach Kontakt mit Tieren.
Vorsicht auch beim Baden in natürlichen Gewässern, die durch Tierkot verschmutzt sein können. Bei kleinen Kindern zudem auf sauberes Wasser im Planschbecken und unverschmutzten Sand im Sandkasten achten.
Was ist EHEC?
EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli)
sind eine besondere Art von Darmbakterien. Sie produzieren Zellgifte (Shigatoxine bzw. Verotoxine) und können dadurch beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen. Gefährdet sind in der Regel vor allem Säuglinge, Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen. EHEC kommen natürlicherweise im Verdauungstrakt von Wiederkäuern vor, zum Beispiel bei Rindern, Schafen und Ziegen, ohne dass diese selbst erkranken. Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus. Da EHEC relativ unempfindlich sind, können sie in der Umwelt, im Boden und im Wasser wochenlang überleben.
Übertragungswege Die EHEC können auf vielfältige Weise übertragen werden:
- Über Lebensmittel: Von landwirtschaftlichen Nutztieren gelangen die Erreger häufig bereits beim Melken oder Schlachten in die Milch bzw. auf das Fleisch.
- Über verunreinigtes Wasser und durch Düngen mit Gülle oder Mist können auch pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse mit EHEC belastet sein.
- Darüber hinaus kann der Keim aber auch durch unzureichende Küchenhygiene in andere verzehrfertige Lebensmittel gelangen.
- Von Mensch zu Mensch: Mit EHEC infizierte Menschen scheiden den Keim aus und können Infektionen so auf andere übertragen.
- Durch direkten Tierkontakt: zum Beispiel auf Bauernhöfen oder in Streichelzoos.
- Durch verschmutztes Wasser: zum Beispiel beim Baden in durch Tierkot verschmutzten Gewässern.
- Für kleine Kinder spielen außerdem durch Fäkalien verschmutzte Planschbecken oder Buddelsand eine Rolle als Infektionsquelle.
Krankeitssymptome
Bei den meisten Erkrankten tritt 3-4 Tage (seltener bis zu 10 Tage) nach der Ansteckung unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung, der von Übelkeit, Erbrechen und zunehmenden Bauchschmerzen, seltener von Fieber begleitet werden kann. Üblicherweise heilt die Erkrankung von selbst folgenlos aus.
Eine EHEC- Infektion kann aber auch ohne Symptome verlaufen und unerkannt bleiben. In etwa einem Fünftel der Erkrankungsfälle können sich als schwere Verlaufsform blutige Durchfälle mit krampfartigen Bauchschmerzen und teilweise Fieber entwickeln.
In der Regel erkranken vor allem Säuglinge, Kleinkinder, alte Menschen und abwehrgeschwächte Personen häufiger schwer.
Bei etwa jedem Zehnten bis Zwanzigsten der Erkrankten droht als Folge einer EHEC- Infektion das hämolytisch- urämische Syndrom (HUS), eine Erkrankung, die sich in Blutgerinnungsstörungen, einer Zerstörung der roten Blutkörperchen bis hin zum akuten Nierenversagen äußern kann. Sie ist der häufigste Grund für akute Funktionsstörungen der Nieren im Kindesalter, die lebensbedrohlich sein können.
Was tun bei Krankheitszeichen?
Suchen Sie beim Auftreten der Symptome, insbesondere beim blutigen Durchfall, Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf. Bei entsprechendem Verdacht werden dort die weiteren notwendigen Schritte eingeleitet, um die Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln. Wissenschaftler des Institutes für Hygiene am Universitätsklinikum Münster (UKM) ist es Ende Mai gelungen, einen EHEC-Schnelltest zu entwickelt, mit dem Labore das Darmbakterium EHEC innerhalb weniger Stunden nachweisen können.
Im Allgemeinen gilt: Die Behandlung der Krankheitszeichen kann nur symptomatisch erfolgen, zum Beispiel durch eine genügende Flüssigkeitszufuhr zum Ausgleich der Wasserverluste durch Durchfall und Erbrechen. Eine Therapie mit Antibiotika ist im Regelfall nicht angezeigt und kann sogar die Bakterienausscheidung verlängern. Daher sind die neuesten Untersuchungsergebnisse des aktuellen Infektionsgeschehens über eine erhöhte Resistenz des Erregers gegenüber bestimmten Antibiotikagruppen für die Behandlung nicht bedeutsam.
Bei Vorliegen eines HUS wird zumeist eine harntreibende Therapie und unter Umständen die Apherese angewendet, ein Blutreinigungsverfahren bei dem krankmachende Bestandteile aus dem Blut entfernt werden können. Im Falle eines Nierenversagens kommt das Dialyseverfahren zum Einsatz.
Ganz wichtig: Ansteckungsrisiko mindern, Hygiene beachten!
Händewaschen- die wichtigste Hygieneregel (weitere Informationen hierzu siehe unten), insbesondere nach dem Toilettengang Personen mit Durchfallerkrankungen sollten keine Speisen zubereiten Hygieneregel bei der Zubereitung von Speisen beachten ( siehe oben)
Gut zu wissen: viele Krankheitserreger, so auch EHEC, können auch noch nach Abklingen der klinischen Symptome von zuvor Erkrankten für einige Tage bis ca. 4 Wochen im Stuhl ausgeschieden. Daher: Hygieneregeln auch nach durchgestandener Erkrankung sorgfältig beachten.
Das Risiko einer Infektion schon präventiv minimieren
durch einfache und praktische Maßnahmen kann das Infektionsrisiko deutlich minimiert werden. Nachfolgend stellen wir Ihnen die Grunlagen der Prävebtion einmal vor. Diese sollten nicht nur aus aktuellem Anlass und während der "aktuellen EHEC oder der damaligen Schweinegrippe", sondern immer und regelmäßig im Alltag angewandt werden.
HÄNDE WASCHEN UND VOM GESICHT FERNHALTEN.
Die Hände kommen den ganzen Tag über mit Gegenständen und Menschen in Berührung – und deshalb auch mit Viren. Da die Erreger von den Händen leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund übergehen können, ist es wichtig, der Hygiene der Hände besondere Beachtung zu schenken.
Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig, besonders vor dem Zubereiten von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang oder wenn Sie nach Hause kommen – und zwar so:
Die Hände unter fließendes Wasser halten, anschließend Seife 20 bis 30 Sekunden auch zwischen den Fingern verreiben, dann sorgfältig abspülen und abtrocknen. Versuchen Sie darüber hinaus, die Hände möglichst vom Gesicht fernzuhalten.
HYGIENISCH HUSTEN.
Beim Husten ist „Hand vor den Mund“ zwar gut gemeint, aber ungesund. Zumindest für Ihre Mitmenschen. Schließlich katapultieren Sie dabei eine große Anzahl von Viren aus Ihrem Körper, die dann an Ihren Händen kleben bleiben. Berühren Sie nun Gegenstände oder Mitmenschen, dann verbreiten Sie die Viren weiter. Husten Sie also lieber nicht in die Hand, sondern in Ihren Ärmel. Dann bleiben Ihre Hände sauber. Halten Sie außerdem beim Husten größtmöglichen Abstand zu anderen Personen und wenden Sie sich dabei von Ihrem Gegenüber ab.
KRANKHEIT ZUHAUSE AUSKURIEREN.
Wenn Sie krank sind, sollten Sie nicht arbeiten gehen. Denn Sie gefährden nicht nur Ihre eigene Gesundheit und werden langsamer wieder fit, Sie können auch Kollegen und andere Menschen in Ihrer Umgebung anstecken. Wenn hierdurch ganze Abteilungen erkranken, schadet dies Ihrem Arbeitgeber mehr als der Ausfall einer Einzelperson. Wer krank zur Arbeit erscheint, kann sich ohnehin schlechter konzentrieren und macht mehr Fehler.
Gehen Sie also bei fieberhafter Erkältung, Magen-Darm-Infekt oder Grippe nicht zur Arbeit, sondern kurieren Sie Ihre Krankheit aus. Wägen Sie außerdem ab, ob Sie ärztliche Hilfe benötigen. Und denken Sie immer daran: Ihre Gesundheit nützt allen – Ihnen und Ihren Kollegen.
AUF ERSTE ANZEICHEN ACHTEN.
Wenn Sie an einer Erkältung oder einer Magen-Darm-Infektion leiden, besteht die Gefahr, dass Sie andere Menschen anstecken. Bei Grippe sogar schon dann, wenn die Krankheit bei Ihnen noch gar nicht ausgebrochen ist.
Achten Sie zum Schutz Ihrer Mitmenschen auf erste Anzeichen von Viruserkrankungen: Typisch für Grippe ist plötzliches hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Husten und Gliederschmerzen. Plötzliche Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können Anzeichen einer Infektion mit dem Norovirus sein. Nehmen Sie solche Anzeichen ernst und beachten Sie gerade dann besonders die Hygienetipps in dieser Webseite, um die Krankheit nicht weiter zu verbreiten.
GESUND WERDEN.
Bei vielen Viruserkrankungen ist man meist sein eigener Arzt und verordnet sich bewährte Hausmittel, z. B. viel trinken und schlafen, Ruhe, Tees und Inhalationen sowie Medikamente gegen verstopfte Nase, Halsschmerzen usw.
Den wichtigsten Beitrag zum Gesundwerden leistet das körpereigene Abwehrsystem: Husten und Schnupfen befördern die Viren aus dem Körper, Fieber bringt die Abwehr auf Hochtouren. Und nach einigen Tagen Erholung fühlt man sich oft schon wieder deutlich besser.
In manchen Fällen kann eine Erkrankung so schwer sein, dass Hausmittel allein nicht ausreichen. Insbesondere ältere, chronisch kranke und immungeschwächte Menschen sollten bei Grippe einen Arzt zu Rate ziehen. Bei Magen-Darm-Infektionen mit starkem Flüssigkeitsverlust benötigen vor allem Kinder häufig ärztliche Hilfe beim Gesundwerden.
FAMILIENMITGLIEDER SCHÜTZEN.
Es ist gut, wenn Sie sich zu Hause auskurieren; allerdings sind dann besonders Ihre Familienmitglieder ansteckungsgefährdet. Schützen Sie sie, indem Sie Abstand halten und auf Körperkontakt wie Umarmen, Küssen usw. verzichten. Schlafen Sie nach Möglichkeit in einem separaten Raum. Achten Sie auf generelle Sauberkeit Ihrer Wohnung, insbesondere in Küche und Bad.
Auch beim Naseputzen gibt es eine klare Empfehlung: Verwenden Sie stets ein Einmaltaschentuch, das Sie wirklich nur einmal benutzen und sofort entsorgen, z. B. in einer am Bett bereitliegenden Plastiktüte. Waschen Sie sich wenn möglich anschließend die Hände, um eine Virusübertragung auf andere Menschen zu vermeiden.
GESCHLOSSENE RÄUME REGELMÄßIG LÜFTEN.
Bei der Arbeit oder zu Hause gilt: In geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Viren in der Luft stark ansteigen. Regelmäßiges Lüften wirkt dem entgegen und senkt so das Ansteckungsrisiko. Außerdem verbessern Sie durch Lüften das Raumklima und verhindern ein Austrocknen der Mund- und Nasenschleimhäute, die zur Abwehr von Viren sehr wichtig sind.
Lüften Sie mindestens drei- bis viermal am Tag für jeweils zehn Minuten.
Quelle: RKI / UKE / BÄK / AOK / Bundesgesundheitsministerium / tagesschau.de / Abendblatt / L-P. Lorenzen