Quelle: Wikipedia
nternationale Richtlinie zur Cardiopulmonalen Reanimation (CPR)
Die Richtlinien des International Liaison Committee on Resuseitation (ILCOR) zur Cardiopulmonalen Reanimation (CPR) wurden im August 2000 weltweit veröffentlicht.
- Aktuelle Ergänzung: Achtung, neue Leitlinien seit Ende 2005! -
Danach gehören diese Basismaßnahmen zur Notfallversorgung:
1. Das schnellst mögliche Erkennen eines Kreislaufstillstandes
2. Hilfe früh rufen (z.B. Passanten mit dem Notruf beauftragen Schlagworte nutzen Reanimation oder Herzstillstand)
3. Durchführung der Herzdruckmassage und gleichzeitiger
Beatmungsmaßnahmen beim Herzkreislaufstillstand.
4. Externe (automatische) Defibrillatoren (Abkürzung. Defi; AED-Gerät) bei jedem Menschen der nicht atmet, wenn vorhanden, zum Einsatz bringen.
zu Punkt 1:
Bewusstseinskontrolle
Die Bewusstseinskontrolle soll primär durch laute Ansprache erfolgen. Reagiert die Person nicht, sollte er an der Hand angefasst oder danach leicht an der Schulter geschüttelt werden. Gleichzeitig erfolgt die Suche nach allgemeinen Zeichen einer Kreislauffunktion (Schlucken, Husten, Bewegen) oder das Feststellen der Atmung durch die Atemkontrolle mit "lebendsrettendem Handgriff" (Abb. 1.2)
Pulskontrolle
Entfällt bei Ersthelfern komplett!
Notruf
Bei bewusstlosen Personen sollen die Ersthelfer (auch medizinisches Fachpersonal) zuerst den Rettungsdienst alarmieren und danach mit den Sicherungsmaßnahmen wie z.B. Seitenlage oder Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen ("Phone first").
Ausnahmen hiervon sind Kinder unter acht Jahren oder Personen wie zum Beispiel Ertrinkungsopfer.Hier muss sofort Hilfe geleistet werden. In diesen Fällen ist unverzüglich, wenn es sich um ein Atemstillstand handeln dürfte, mit der Reanimation und Beatmung zu beginnen. Schnellstmöglich soll hier der Notruf abgesetzt werden.
zu Punkt 2:
Beatmung
Das Beatmungsvolumen ohne zusätzlichen Sauerstoff bei der Atemspende Mund zu Mund, Mund zu Nase, per Atemmaske mit Filter oder Beatmungsbeutel sollte etwa 550-750 ml (ein normaler Atemzug eines Erwachsenen) umfassen.
Die Inspirationszeit soll etwa zwei Sekunden betragen. Zu beobachtender Erfolg dabei soll der sich deutlich anhebende Brustkorb sein.
zu Punkt 3:
Herzdruckmassage
Für Laien, die keine Mund-zu Mund Beatmung, Mund zu-Nase Beatmung (Ekel-Überwindung oder massive Blutung im Gesichtsbereich) oder eine Beatmung über eine Beatmungsmaske durchführen können, ist
eine Herzdruckmassage ohne Beatmung erlaubt. Es ist besser, das Blut im Kreislauf zu verteilen, als keine Reanimation durchzuführen. Jedoch sollte man dabei bedenken, dass ohne Sauerstoffzufuhr
(Beatmung) eine Wiederbelebung kaum zum Erfolg führen kann. Ohne Sauerstoffzuhr kann das Gehirn des Menschen nicht überleben. Nach spätestens 5 Minuten kommt es zu irreparablen Schäden. Als
Faustformel gilt: je Minute ohne Sauerstoffversorgung sinkt die Überlebenschance um ca 10%. Nach 5 Minuten hat man dadurch immer noch eine 50:50 Chance. Eine Reanimation ohne Beatmung kann deshalb
nur von kurzer Dauer ( max. 3-5 Minuten) sein. Günstiger wäre es, wenn sich jeder Erst-Helfer eine Beatmungshilfe (Abb.1.3)zulegen würde, die für wenig Geld in Sanitätshäusern, Apotheken
oder bei Hilfsorganisationen zu erhalten sind. Dadurch lässt sich das "Ekelgefühl" deutlich senken!
Druckpunkt
Der Druckpunkt für die Herzmassage ist neu: Mittig des Brustbeins auf einer gedachten Linie zwischen den Brustwarzen (Männerbrust)
Die alte "ZweiFinger" Methode entfällt.
Druckfrequenz
Die Druckfrequenz (Geschwindigkeit) bei der Herzmassage beträgt 100 Hübe pro Minute.
Dadurch kann effektiv, nach Abzug der Beatmungsphasen, eine Herzdruckmassage mit einer Kompression von zirka 70 pro Minute erreicht werden.
Verhältnis von Druckfrequenz zu Beatmung
Das Verhältnis von Herzdruckmassage zur Beatmung ist für alle Gegebenheiten (Ein Helfer und Zwei Helfer Methoden, Laien und Medizinisches Fachpersonal) 30 : 2!
Studien haben gezeigt, dass durch längere kontinuierliche Phasen der Herzdruckmassage mit einer besseren koronaren und zerebralen Perfusion zu rechnen ist.(Siehe Studie unten)
zu Punkt 4:
Anwendung Automatisierter Externer DefibriIlator
Die Anwendung von automatisierten externen Defibrillatoren (AED) gehört auch zu den von Laien erlernbaren und von Laien leicht anzuwendenden Maßnahmen.
Die Anwendung von AED´s bei Kindern unter acht Jahren kann derzeit nicht empfohlen werden.Benutzen kann jeder ein solches Gerät wenn es öffentlich zugänglich ist.
Abb. 1.2 Lebensrettender Handgriff
Quelle: DRK Leitfaden
Abb. 1.3 diverse Beatmungshilfen
Neue Studie zur Reanimation! ! NOCH NICHT ZUGERLASSEN !
Keine Lehraussage!Dieser Text dient nur zur eigenen Information!
Eine Studie aus den USA, die heute im renomierten amerikanischen Fachblatt Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde, ergab deutlich bessere Ergebnisse bei der Wiederbelebung durch eine neue Methode: Eine Folge von 200 Herzdruckmassagen, die durch nichts unterbrochen werden, ein einzelner Defibrillationsschock, eine weitere Folge von 200 Kompressionen und erst dann eine Analyse des Pulses.
Wiederbelebung nur selten von Erfolg gekrönt
Jeder, der im Ersten Hilfe Kurs die Herz - Lungen - Wiederbelebung erlernt hat, kennt die Abfolge: Nach Feststellung des Kreislaufstillstandes (Patient ist bewußtlos, Patient atmet nicht) und Notruf erfolgt ein Wechsel von 30 Herzdruckmassagen und 2 Atemspenden.
Leider erreichen nur wenige Patienten mit Herzstillstand das Krankenhaus und noch weniger gehen von dort anschließend gesund nach Hause.
Das liegt sicherlich an der Schwere der Erkrankungen, die zu einem Herzstillstand geführt haben. Es liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Defibrillation oft nicht möglich ist, weil geeignete Geräte (für Laien) fehlen.
200 Herzdruckmassagen in Folge
Es könnte aber auch z.T. an der verbesserungswürdigen Methode liegen. Eine neue Methode der Wiederbelebung testete Bentley J. Bobrow und sein Team an der Mayo Klinik in Scotsdale im US-Bundestaat Arizona.
Bobrow und seine Mitarbeiter nannten dieses neue Protokoll minimally interrupted cardiac resuscitation oder abgekürzt MICR (deutsch: "minimal unterbrochene cardiale Wiederbelebung") . Die Wiederbelebung des Herzens wird nur minimal unterbrochen: Nach 200 Herzdruckmassagen durch eine einzige Defibrillation, dann folgen wiederum 200 Kompressionen und erst dann wird der Puls überprüft. Die Beatmung erfolgt rein passiv durch das Zusammendrücken des Brustkorbs bei der Herzmassage. Adrenalin wird als Medikament früh eingesetzt, die Intubation - das Einführen eines Plastikschlauchs in die Luftröhre zur Beatmung - erst sehr spät.
Dreimal mehr Überlebende nach "MICR"
Die Mitarbeiter der Mayo Klinik trainierten Rettungssanitäter der Feuerwehr in zwei Städten Arizonas in dem neuen Verfahren. Anschließend verglichen sie die Überlebensraten der Patienten mit Herzstillstand vor und nach der MICR-Unterweisung.
Die Studie wurde im Zeitraum vom 1. Januar 2005 bis zum 22. November 2007 durchgeführt. Durch Anwendung der neuen Methode stieg die Rate der Patienten mit Herzstillstand, die lebend aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, von 1,8 auf 5,4 % - eine dreifache Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit ! (886 Herzstillstände waren in den beiden Städten im genannten Zeitraum aufgetreten, vor MICR verließen vier von 218 lebend das Krankenhaus, nach MICR 36 von 668.)
Die Untersucher erklären den Unterschied durch eine Verbesserung des Blutzuflusses zum Gehirn und zum Herzen: Die Herzmassage erzeugt nur eine sehr bescheidene Durchblutung dieser beiden Organe. Wird dieser Blutfluss noch durch die Beatmung, Intubationsversuche und allerlei Diagnostik unterbrochen, dann sinkt die Rate an Überlebenden, weil Hirn und Herz die lange Mangeldurchblutung nicht überleben.
Zur allgemeinen Anwendung (noch) nicht empfohlen
Zur allgemeinen Anwendung kann die MICR - Methode allerdings noch nicht empfohlen werden. Dazu reicht die Qualität der Studie nicht aus - das betonen auch die Verfasser selbst. Weitere Untersuchungen müssen folgen, um diese ersten Hinweise auf eine bessere Wiederbelebungsmethode zu erhärten.
Eines kann man aber auch schon für die herkömmliche Art der Herz-Lungen-Wiederbelebung folgern: Lange Pausen bei der Herzmassage mindern den Erfolg.
Quellen
Zusammenfassung der Studie: Minimally Interrupted Cardiac Resuscitation by Emergency Medical Services for Out-of-Hospital Cardiac Arrest (JAMA, engl.)
(Engl.) Bericht über die Studie von der Nachrichtenagentur Reuters: New cardiac resuscitation approach boosts survival