Lebensgefahr – unsichtbare Gifte

"Alles ist Gift. Allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist." So die berühmte Auffassung von Paracelsus, nach der erst die Menge ein Gift ausmacht. Doch die Welt hat sich verändert seit dem 16. Jahrhundert.



Wie kommt es im Alltag zu Vergiftungen?

Chemische Stoffe, Medikamente und Reinigungsmittel, Insektensprays und Klebstoffe, Holzschutzmittel und Weichmacher – wir sind umgeben von Stoffen, die mitunter auch in geringen Mengen schon gefährlich sein können. Hinzu kommen noch alle vermeintlich ungiftigen Substanzen. Auch wenn es unglaublich kling: Ein  Mensch kann sich tatsächlich mit Trinkwasser vergiften und daran sterben. Aber auch hier zählt die Menge (normaler Konsum ist unbedenklich).

 

Gifte können auf unterschiedliche Art und Weise in den Körper gelangen. Davon abhängig sind Symptome und besondere Gefahren.

 

Magen und Darm:

Essen oder Trinken von Giften wirkt besonders schädlich. Die ersten Symptome treten dort auf, wo das Gift als erstes ankommt: in Speiseröhre und Magen. Von hier aus kann das Gift in die Blutlaufbahn geraten und seine volle schädliche Wirkung entfalten. Zum Verschlucken von Giften kommt es im Alltag meist durch Verwechslungen. Deshalb sollten giftige Substanzen immer in den Ursprungsbehältern bleiben. Sie selbst können sich vielleicht merken, dass die Sprudelflasche in der Abstellkammer Verdünner enthält. Aber wissen das auch ihr Ehepartner und ihr Kind? Und merken sie selbst es, wenn jemand diese Flasche an einen anderen Ort stellt?


Haut und Augen:

Vorsicht mit Sprühflaschen und Spraydosen! Man täuscht sich schnell einmal, in welche Richtung diese sprühen – Gefahr für die Augen! Aber auch wo nichts sprüht oder spritzt, ist Vorsicht geboten. Man fasst sich oft unbewusst ins Gesicht und an die Augen. Scharfe Stoffe sollten daher rasch von den Händen abgewaschen werden. Noch besser sind Handschuhe. Sie schützen nicht nur die Haut, sondern verhindern auch ein unbedachtes Verschmieren der Augen mit den Händen. Beim Hantieren mit aggressiven Mitteln sollte man sie ohnehin immer verwenden. Rohreiniger zum Beispiel ätzen so stark, dass sie Brandwunden ähnelnde Verletzungen hervorrufen können.

 

Atemwege:

Gifte kann man auch einatmen. Obwohl es selbstverständlich sein sollte, dass Insektensprays auch für den Menschen nicht gesund sein können, wird oft zu sorglos damit umgegangen. Klebestreifen oder Lockfallen sind eine weniger gefährliche Alternative. Wenn doch Gift angewendet werden muss, sollte man gründlich lüften und den Sprühnebel meiden. Giftige Gase können auch unvermutet entstehen. Essigsäure ist ein altes Hausmittel gegen verstopfte Rohre. Keinesfalls sollte man es jedoch zusammen mit chemischem Rohrreiniger verwenden. Es kann zu einer Reaktion kommen, bei der sich gefährliche Gase bilden.

 

Falsches Handeln bei Vergiftungen

Von den meisten Hausmitteln, die früher als Erste-Hilfe-Maßnahme galten, raten Experten heute ab:
- Milch: Nur in seltenen Fällen wirkt Milch gegen eine Vergiftung. Oft trägt sie im Gegenteil dazu bei, ein Gift schneller im Körper zu verbreiten.
- Erbrechen: Es scheint einleuchtend, sich durch Erbrechen eines Giftes zu entledigen. Dennoch ist davon abzuraten. Erbrochenes könnte in die Lunge geraten, insbesondere, wenn sich etwa durch versehentlich getrunkene Reinigungsmittel Schaum bildet.
- Salzwasser: Besonders gefährlich ist das Herbeiführen von Erbrechen mit Salzwasser. Zu viel Salz ist selbst giftig. Kommt es doch nicht zum Erbrechen, dann belastet man den Körper so noch zusätzlich.
- Verdünnen: Viele Gifte lösen sich im Magen zunächst schlecht auf. Wird literweise Wasser getrunken, um das Gift zu verdünnen, fördert man stattdessen unfreiwillig die Aufnahme.
- Neutralisieren: Säuren und Laugen neutralisieren sich zwar. Man sollte jedoch nicht auf die Idee kommen, sich auf diese Weise ein Gegengift zu verabreichen. Man würde sich nur doppelt verätzen, und bei der Reaktion können weitere giftige Stoffe entstehen.

Lieber einmal mehr: Hände waschen.

Richtiges Handeln bei Vergiftungen

 

Spezifische Maßnahmen stehen meist auf der Orginalverpackung!

Im Zweifel undbeding den Giftnotruf  Nord unter Tel. 0551/383180, Fax 0551/3831881anrufen!

Eine Vergiftung ist ein Notfall, in dem der Rettungsdienst gerufen werden muss. Einige Maßnahmen können bis dahin helfen:
- Trinken: Übermäßiges Trinken schadet eher – siehe oben - daher Keine Zufuhr von Flüssigkeiten! Sollte der Verunfallte über trocknen Mund klagen: Ein Tuch anfeuchten und damit die Lippen und den Mund benetzten.

 

Die folgenden Maßnahmen je nach Situation anwenden!

- Abwaschen: Giftige oder ätzende Stoffe an Augen und Haut sollten rasch mit viel fließendem Wasser abgespült werden. Ist die Haut unverletzt, kann dazu auch Seife verwendet werden. Wenn etwas in die Augen gelangt ist, diese mit sauberen Händen offen halten und unter dem Wasserhahn ausspülen.
- Frischluft: Bei Vergiftungen durch Gase braucht der Patient frische Luft. Vorsicht: Auch dem Helfer droht in solchen Fällen unter Umständen Gefahr durch nicht wahrnehmbare Gase!
- Entschäumer: Versehentlich verschluckte Reinigungsmittel und andere Chemikalien können Schaum bilden, der gefährlicher ist als eine Giftwirkung im engeren Sinne, wenn nämlich der Schaum in die Lunge gelangt. In Apotheken gibt es Entschäumer, die diese Schaumbildung verhindern.
- Kohletabletten: Ebenfalls in die Hausapotheke gehören Kohletabletten. Sie können Giftstoffe binden, die dadurch nicht vom Körper aufgenommen werden.

Verpackungen der verwendeten Chemikalien beim Notruf griffbereit haben

Diese Erste-Hilfe-Maßnahmen sind kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu einem Notruf. Am besten wendet man sich dazu an eine Giftnotrufzentrale, deren Nummer man griffbereit z. B. in der Hausapotheke verwahren sollte.


Erbrochenes oder Reste vom vermeintlichen Gift aufbewahen und dem Rettungsdienst mitgeben!

 

Giftnotrufzentralen bieten unter anderem den Vorzug, dass sie die Inhaltsstoffe von Haushaltschemikalien kennen. Deshalb sollte man auch die Packung des Produktes bereithalten, von dem die Vergiftung ausging. Der Giftnotruf kann auch Anweisung geben, welche der obigen Maßnahmen bis zum Eintreffen des Arztes wichtig sind.

 

Giftstoffe im Haushalt / Alltag

 

Die am häufigsten vorkommenden Gifte

 

Gift Vorkommen Symptome
Alpha-Chloralose Rattengift Schwäche; Gefühllosigkeit; absinkende Körpertemperatur
Anilin (anilinhaltige Farben ) Buntstifte; Pastellkreide; Farben Erbrechen; Atemnot; Krämpfe
Antu ( Naphthylthioharnstoff ) Rattengift Erbrechen; schweres Lungenödem; Atemnot
Arsen Rattengift; Unkrautvernichter; Farben; Holzschutzmittel Erbrechen; Durchfall; Magenschmerzen; Zittern; Bläulichfärbung von Haut und Schleimhaut; Herz- und Kreislaufkollaps
Äthylenglykol Frostschutzmittel Magen- und Darmreizungen; Krämpfe; Nierenversagen
Azeton Lösungsmittel für Farben und Lacke beim Einatmen: Reizungen von Bronchien und Lunge

beim Einnehmen: Erbrechen; Durchfall; verminderte Atem- und Herzfrequenz

Babiturate Schlafmittel Bewußtseinstrübung; Koma; verminderte Atemfrequenz
Benzol Treibstoffe; Lösungs- und Reinigungsmittel Erbrechen; Krämpfe; Kollaps
Benzin Treibstoffe beim Einatmen: Husten; Atemnot; Apathie

beim Einnehmen: Erbrechen; Durchfall; nervöse Störungen

Blei Treibstoffe akute Vergiftung: schwere Magen- und Darmreizung

nervöse Symptome: Erregung; fortschreitende Lähmung

Blutgerinnungshemmende Schädlingsbekämpfungsmittel Rattengift, Maulwurfgift spontan auftretende Blutungen, Blut in Kot und Urin, Depressionen
Carbamat Insekten- und Schädlingsbekämpfungsmittel Zittern, unkoordinierte Bewegungen, Muskelkrämpfe, Erbrechen
Cyanide Rattengift, Unkrautvernichter Ersticken, Koma, schneller Tod
Fluorazetate Rattengift Nervöse Erregung, Muskelkrämpfe, Zuckungen, Herz- und Kreislaufkollaps
Formalin Haus- und Industriedesinfektion Schwere Magen- und Darmreizungen, Herz- und Kreislaufkollaps
Hexachloraphren Seifen und Desinfektionsmittel Erbrechen, Durchfall, Magenschmerzen, Leberschäden und nervöse Beschwerden
Kampfer Mottengift, Medikamente Magen- und Darmreizung, nervöse Erregung
Kohlenmonoxid Verbrennung von organischen Stoffen in geschlossen Räumen unkoordinierte Bewegungen, Schwäche, Atemnot
Meerzwiebel Rattengift Erbrechen, Durchfall, Schwäche, Veränderung der Herzfrequenz
Metaldehyd Schneckengift Nervöse Symptome, Krämpfe, Zittern, unkoordinierte Bewegungen
Methylalkohol Lösungsmittel, Treibstoffe Erbrechen und schwere Magenschmerzen, nervöse Erregung, Krämpfe
Naphthalin Mottenpulver Magen- und Darmreizung, Anämie, Gelbsucht
Natriumhypochlorit Bleich- und Desinfektionsmittel Reizung und Verätzung von Haut und Schleimhäuten
Natriumperborat Bleichmittel Reizung und Verätzung von Haut und Schleimhäuten
Nitrate und Nitride von Natrium und Kalium Dünger, Fleischkonservierungsmittel Erbrechen und Durchfall, Gleichgewichtsstörungen, Zittern, Atemnot
Nitrobenzol Schuhcreme, Färbemittel Erbrechen, unkoordinierte Bewegungen, Krämpfe, Atemnot
Organische Chlorverbindungen (DDT, Chlordan ) Insekten- und Schädlingsbekämpfungsmittel Erbrechen, Durchfall, Pupillenverengung, Speicheln, Zittern, Krämpfe, Zuckungen
Oxalsäure Bleichmittel, Fleckenentferner, Waschmittel Reizung der Maulschleimhaut, starker Durchfall, Erbrechen
Quartäre Ammoniumverbindungen Reinigungs- und Desinfektionsmittel Erbrechen und Magenschmerzen, Herz- und Kreislaufkollaps
Quecksilber Pilz-, Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel, Desinfektionsmittel in schweren Fällen: starke Magen- und Darmreizungen, Entzündung der Maulschleimhaut, Krämpfe, Koma
Rotenon Insekten- und Schädlingsbekämpfungsmittel Magen- und Darmreizungen
Seifen Wasch-, Reinigungs- und Geschirrspülmittel Magen- und Darmreizungen
Starke Laugen ( Ätzkali, Ätzkalk, Ätznatron ) Putzmittel für Metalle, Steingut und Glas Schwere Verätzungen bei Kontakt oder Einnahme
Starke Säuren ( Schwefel-, Salpeter- oder Salzsäure ) Reinigungsmittel, Metallputzmittel, Entlaubungsmittel Schwere Verätzungen bei Kontakt oder Einnahme
Strychnin Rattengift nervöse Erregung, starke Muskelkrämpfe
Teer und Teerderivate Straßen, Dächer, Balkons, Holzschutzmittel Magen- und Darmstörungen, Leberschäden
Terpentin Lösungsmittel für Lacke und Farben Magen- und Darmstörungen, Nierenschäden, blutiger Urin, Atemnot
Tetrachlorkohlenstoff Feuerlösch-Schaum, Trockenreiniger Schwere Leber- und Nierenschäden
Thallium Rattengift akute Vergiftung: schwere Magen- und Darmreizungen, Bindehautentzündung, nervöse Symptome
Triäthylen Fleckentferner nervöse Depressionen, Herz- und Kreislaufkollaps, Leber- und Nierenschäden
Weisser Phosphor, Zink- und Aluminiumphosphat Ratten- und Maulwurfgift Schwere Magen- und Darmreizungen, Gelbsucht, blutiger Urin, Krämpfe

 

Zur Webseite vom Hamburger Notfalltraining

nordisch, praktisch- gut!

member medical Kolloquium Wikiversity